Agile Zusammenarbeit im Entwickler Alltag

Agile Zusammenarbeit im Entwickler Alltag
Der erste Teil dieser Artikelreihe Der Weg zur agilen Entwicklung sollte ein Gespür dafür vermitteln, dass SCRUM nur eine der vielen Spitzen des Eisberges agiler Vorgehensmodelle ist und die dahinterliegende Bedeutung eine eigentlich viel komplexere Sichtweise erfordert. Darauf aufbauend beschäftigt sich dieser Beitrag primär mit der Frage, was agiles Arbeiten für die tägliche Zusammenarbeit bedeutet, insbesondere für die interne und externe Kommunikation.
Kommunikation im Team

In Zeiten von Work Life Balance, Home-Office, remote Arbeit und flexiblen Arbeitszeiten geht oftmals ein sehr wichtiger Aspekt agiler Arbeit verloren, die Kommunikation. Deren Wichtigkeit wird heutzutage leider unterschätzt und diverse Probleme lassen sich auf ungenügende oder gar fehlende Kommunikation zurückführen. Während man eine dedizierte Artikelreihe allein über Kommunikationstechniken, -fehler und Feedbackgespräche, etc. verfassen könnte, möchte ich mich in dieser auf die Bedeutung von (guter) Kommunikation fokussieren.

Wieso ist Kommunikation so wichtig? Bezogen auf die Arbeitswelt werden sich vermutlich viele freuen können einen Kollegen zu haben, eventuell sogar zwei oder ein ganzes Team. Wir Menschen sind am effizientesten, wenn wir uns Arbeit teilen. Darum bestehen Firmen auch meist aus mehr als nur einer Person. Ein zusammensitzender Pulk an Menschen macht eine Organisation aber noch nicht effizienter. Unsere Fähigkeit zur Kommunikation ist es, die es uns Menschen ermöglicht Aufgaben im Kollektiv schneller und besser zu erledigen als allein. Über die Jahrtausende hat das sogar gereicht, um uns zu einer „überlegenen“ Spezies zu machen. Wir sollten sie also schätzen, die Fähigkeit zur Kommunikation.

Home-Office oder auch remote Arbeit ist eine großartige Sache keine Frage. Ich arbeite selbst liebend gerne von Zuhause oder dem nächsten Café aus, unter anderem wird dieser Artikel soeben von Zuhause verfasst. Allerdings haben wir in unserem Team schon bemerkt, wie dieses vermeintliche Privileg auch negative Effekte streuen kann. Und zwar immer dann, wenn die Kommunikation darunter leidet. Wir als Entwickler arbeiten täglich zusammen an einem „Stück“ Software und möchten für unseren Kunden die beste Lösung finden. Für alle Nicht-Programmierer habe ich hier ein kleines Beispiel zur Verdeutlichung: man stelle sich vor an einem langen Schriftstück mit dutzenden Querverweisen und Abhängigkeiten der einzelnen Textpassagen zusammenzuarbeiten. Und jeder ist jederzeit berechtigt, sämtliche Passagen zu ändern, zu verschieben, zu löschen oder neue zu ergänzen (wir Programmierer nennen so ein Verändern dann oftmals Refactoring). Wieso (interne) Kommunikation also so wichtig ist? Genau deshalb.

Wie schaffe ich es also flexible Arbeitsmodelle und gute Kommunikation miteinander zu vereinbaren? Nun, wo ein Wille da ein Weg. Jedem Entwickler muss die Bedeutung und Wichtigkeit von Kommunikation klar sein. Letztendlich ist es die Disziplin, die es einem jeden von uns zur Pflicht macht. Eine exzellente Quelle, die ich noch preisgeben möchte, ist das Management 3.0 Buch. In der Kategorie Remote Working finden sich unzählige interessante Artikel zum Thema.

Um nun nicht gänzlich den Faden zu verlieren und wieder auf agile Methodiken zurückzukommen, die bei der Kommunikation unterstützen, möchte ich auf eine bewährte Technik hinweisen.

Daily Standup Meetings

Wir möchten Kommunikation fördern, also setzen wir uns einfach Termine. Eine praktikable Lösung, die sich mittlerweile in fast allen Softwareschmieden durchgesetzt hat, ist das Daily Standup Meeting, oder auch einfach nur Daily. Ziel des Meetings ist es, sich kurz gegenseitig über die folgenden drei Punkte zu informieren:

  1. Was habe ich gestern geschafft?
  2. Was werde ich heute machen?
  3. Was behindert mich dabei?

Wichtig dabei ist vor allem zu beachten, dass es sich um ein kurzes Meeting handeln sollte und kurz bedeutet idealerweise 1-2 Minuten pro Person. Zu oft findet man sich während des Dailys plötzlich in einer hitzigen Diskussion einer kleinen Gruppe wieder. Das soll aber nicht bedeuten, dass Diskussionen generell schlecht wären, denn gerade das wollen wir ja fördern. Aber im Kontext dieses Meetings sind sie einfach nicht zielführend. Der für zwei Leute wichtige Austausch blockiert den Rest des Teams und zieht das Meeting in die Länge und dabei stehen wir ja extra, um das Meeting kurzzuhalten. Die Aufgabe des restlichen Teams ist es also, solche Situationen zu erkennen und entsprechend die Diskussionen nach dem Daily fortzusetzen.

Auch die Teammitglieder im Home-Office haben an dem Meeting teilzunehmen. Das kann durchaus als Erwartung formuliert und dadurch auch entsprechend eingefordert werden. Technische Kommunikationsmittel wie Skype machen dies heutzutage ganz einfach möglich.

digatus Daily Standup Meetings

Unsere Entwickler bei einem Daily Standup Meeting

Externe Kommunikation

Kommunikation ist uns nicht nur intern wichtig. Auch die Beziehung zum Kunden gilt es durch gegenseitigen Austausch zu pflegen. Wir gießen schließlich seine Wünsche in Programmcode. Und auch wenn die Workshops noch so intensiv waren, unser Product Owner noch so gute Arbeit geleistet hat und wir beim Sprint Planning noch so intensiv Tasks diskutiert haben. Es werden Fragen kommen. Der Kunde ist Experte auf seinem Fachgebiet. Diese Expertise wollen und müssen wir nutzen! Noch dazu möchten wir eine offene und ehrliche Kommunikation pflegen. Agil zu sein bedeutet keine Geheimnisse zu haben. Fehler und Probleme werden nicht verschwiegen, sondern angesprochen.

Stellen wir Fragen, bedeutet das nicht, dass wir im Workshop nicht aufgepasst haben, sondern dass wir Anforderungen explizit klären möchten. Ich nenne das auch ganz gerne „Ach ich dachte, dass“-Prävention.

Gegenseitiges Vertrauen

Dies bringt mich direkt zu einem Punkt, der mir speziell am Herzen liegt und der zwar häufig als selbstverständlich angesehen wird, aber oftmals ungewollt aber für uns doch spürbar rüberkommt.

Wir gehen zu jeder Zeit davon aus, dass jeder das für ihn maximal Mögliche getan hat.

Diesen Punkt konnte ich tatsächlich live miterleben. Unser aktuelles Team ist über die letzten Monate zu einer schlagkräftigen, stabilen Einheit gewachsen, bei der jeder weiß, dass jeder zu 110% dabei ist sein maximal Bestes zu geben. Und es sei klar herausgestellt, „Team“ schließt unseren Geschäftsführer bewusst und für uns selbstverständlich mit ein. Ein Kollege hatte technische Probleme, die ihn dazu zwangen, sein System neu zu installieren, was natürlich wertvolle Zeit kostete. Die liegengebliebene Arbeit konnte also erst am Tag danach bearbeitet werden und dem geschah auch so. Im Laufe des Tages wurde bei dem zuständigen Kollegen verstärkt nachgefragt ob die Tickets denn schon abgearbeitet wurden. Eine vollkommen legitime und berechtigte Frage, die in neutraler Sprache gestellt wurde. Um jetzt die Wirkung auf den Kollegen zu verstehen, bedarf es dem Vier Seiten Modell der Kommunikation.

Kommunikationsquadrat Thun digatus

Das Vier Seiten Modell der Kommunikation

Es definiert vier Wirkungsseiten der verbalen Kommunikation, jeweils am Sender und Empfänger Ende. Das bedeutet, dass eine Nachricht auf vier verschiedene Weisen zum Empfänger transportiert wird und auch auf vier verschiedenen Seiten falsch aufgefasst werden kann. Dieses Modell begründet, wieso die vorher beschriebene Situation zu Missverständnissen führte.

Folgende Botschaften kamen jeweils an:

Sender:
Sachebene: „Sind alle Tickets abgearbeitet?“
Selbstkundgabe: „Ich möchte wissen ob alle Tickets abgearbeitet wurden.“
Beziehungsseite: „Wir schaffen das, wie stehts denn?“
Appellseite: „Bitte sag mir, wenn du Hilfe benötigst“

Empfänger:
Sachebene: „Sind alle Tickets abgearbeitet?“
Selbstkundgabe: „Ich will wissen wann oder besser ob du fertig bist.“
Beziehungsebene: „Du bist mir zu langsam.“
Appellebene: „Arbeite bitte schneller!“

Die Nachricht kam bei dem Kollegen durch das vermehrte Rückfragen also vollkommen falsch an, obwohl die eigentliche Intention sogar positiv, unterstützend war.

Bevor ich mich jetzt jedoch selbst in die Falle begebe und nur die Situation anprangere, allerdings keine Verbesserung liefere, möchte ich mich auf meine Aussage zu Beginn berufen. Wir gehen jederzeit davon aus, dass jeder das für ihn maximal Mögliche tut. Mit dieser Sicherheit ergibt sich kein Bedarf für andauernde Rückfragen. Die Arbeit erledigt sich dadurch nicht schneller, schürt aber unter Umständen ungewollten Groll. Jedes Projekt bei uns kann auf einem Taskboard quasi live verfolgt werden. Dies erlaubt es jedem jederzeit festzustellen, wie viele Tasks denn schon abgeschlossen sind. Und sollte es einem doch an den Stimmbändern jucken, hier ein Vorschlag für eine alternative Formulierung:

„Hey, hab gesehen das sind doch einige Tasks, ich hoffe du fühlst dich nicht unter Druck gesetzt. Wenn wir dir helfen können, dann melde dich. Wie läuft es denn so?“

Noch eine Kleinigkeit zum Schluss: Wir suchen keinen Schuldigen, sondern Ursachen.
Sollten trotz maximalen Einsatzes mal Fehler auftreten, ist es wichtig zu beachten, dass für einen Fehler niemand allein verantwortlich ist. Auch wenn auf den ersten Blick schnell ein Schuldiger gefunden ist, ist der Sachverhalt mit zunehmender Schwere des Problems viel komplexer als ursprünglich angenommen. Nur meist hören wir beim ersten Schuldigen auf zu analysieren und verpassen so die Chance, uns gemeinsam zu verbessern bzw. vor allem die eigentlichen Probleme zu lösen.

Fazit

Kommunikation ist wichtig, denn sie macht uns zusammen erfolgreich und ist damit unerlässlich. Im Alltag schleicht sich jedoch oftmals eine gewisse Routine ein und die Bedeutung der Kommunikation rutscht Tag für Tag weiter nach unten. Besonders in der heutigen Zeit gilt es auf rege Kommunikation mindestens genauso zu achten wie auf das Erledigen seiner Aufgaben. Vielen Dank fürs Lesen!

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